When speaking of linguistic taboos in an intercultural context, one generally thinks of certain linguistic behavior that is sanctioned in one culture but not in the other. Seldom considered, however, is that not only “what” is said but also “how” it is said may be viewed as offensive. Along with the subject matter that is frowned upon in some cultures – money, sex, and death are typical examples – certain aspects of foreign-language accent and speech habits, must also be considered, since they evoke similar confusion and negative reactions. A more thorough investigation of phonetic interference as a specific cause of linguistic breaches requires that the taboo discourse be explored in the context of speech-effect research. After showing how prosodic errors occur and discussing their role in foreign-language learning, the author analyzes foreign-language speech habits and accents in terms of their culture-specific reception, noting that these phonetic elements represent sources of confusion that violate the linguistic norm and, in some cases, may be seen as taboo. The Italian accent in German as a foreign language serves as an example. The intention here is to show that it is an undervaluation of some forms of phonetic interference to view them as merely unavoidable attributes of foreign-language speakers. Rather, it is important to consider the possibility that they represent disruptive elements that can seriously compromise intercultural verbal communication – indeed, can cause a complete rupture of the same. ---------- Wenn man von sprachlichen Tabubrüchen im interkulturellen Kontext spricht, so hat man im Allgemeinen bestimmte sprachliche Handlungen vor Augen, die in der einen Kultur sanktioniert werden, in der anderen dagegen nicht. Überlegungen dazu, dass nicht nur das „Was“, sondern auch das „Wie“ Anstoß erregen kann, werden weniger angestellt. Denn neben thematisch bedingten Tabus wie Geld, Sex, Tod etc., die in unterschiedlichen Kulturen kontroverse Bedeutungen haben können, müssen bestimmte Aspekte von fremdsprachlichem Akzent und Sprechgewohnheiten mit einbezogen werden, da sie ebensolche Irritationen verursachen und auf ähnliche Weise negative Reaktionen hervorrufen. Um diese spezifische Form des durch phonetische Interferenzen bedingten Normbruchs genauer untersuchen zu können, muss der Tabudiskurs in den Rahmen der Sprechwirkungsforschung gestellt werden. Zunächst soll gezeigt werden, wie prosodische Fehler entstehen und welchen Stellenwert sie beim Erlernen einer Fremdsprache haben. Daraufhin wird die Sprechwirkung von fremdsprachlichen Sprechgewohnheiten und Akzenten auf ihre kulturbezogene Rezeption hin betrachtet und dargelegt, durch welche phonetischen Elemente Irritationen entstehen, die als Normverletzung, ja in einigen Fällen als Tabubruch gelten können. Als Beispiel dient der italienische Akzent im Deutschen. Auf diese Weise soll gezeigt werden, dass die Bedeutung phonetischer Interferenzen dann unterbewertet wird, wenn man sie lediglich als unvermeidliche Eigenschaft fremdsprachlicher Sprecher betrachtet. Denn es ist möglich, dass sie ein Störfaktor sind, der das interkulturelle Gespräch massiv beeinträchtigt, ja den Abbruch desselben verursachen kann.

Normbruch durch phonetische Interferenzen. Tabudiskurse vor dem Hintergrund der Sprechwirkungsforschung / Kaunzner, U. A.. - STAMPA. - (2013), pp. 63-76.

Normbruch durch phonetische Interferenzen. Tabudiskurse vor dem Hintergrund der Sprechwirkungsforschung

Kaunzner U.A.
2013

Abstract

When speaking of linguistic taboos in an intercultural context, one generally thinks of certain linguistic behavior that is sanctioned in one culture but not in the other. Seldom considered, however, is that not only “what” is said but also “how” it is said may be viewed as offensive. Along with the subject matter that is frowned upon in some cultures – money, sex, and death are typical examples – certain aspects of foreign-language accent and speech habits, must also be considered, since they evoke similar confusion and negative reactions. A more thorough investigation of phonetic interference as a specific cause of linguistic breaches requires that the taboo discourse be explored in the context of speech-effect research. After showing how prosodic errors occur and discussing their role in foreign-language learning, the author analyzes foreign-language speech habits and accents in terms of their culture-specific reception, noting that these phonetic elements represent sources of confusion that violate the linguistic norm and, in some cases, may be seen as taboo. The Italian accent in German as a foreign language serves as an example. The intention here is to show that it is an undervaluation of some forms of phonetic interference to view them as merely unavoidable attributes of foreign-language speakers. Rather, it is important to consider the possibility that they represent disruptive elements that can seriously compromise intercultural verbal communication – indeed, can cause a complete rupture of the same. ---------- Wenn man von sprachlichen Tabubrüchen im interkulturellen Kontext spricht, so hat man im Allgemeinen bestimmte sprachliche Handlungen vor Augen, die in der einen Kultur sanktioniert werden, in der anderen dagegen nicht. Überlegungen dazu, dass nicht nur das „Was“, sondern auch das „Wie“ Anstoß erregen kann, werden weniger angestellt. Denn neben thematisch bedingten Tabus wie Geld, Sex, Tod etc., die in unterschiedlichen Kulturen kontroverse Bedeutungen haben können, müssen bestimmte Aspekte von fremdsprachlichem Akzent und Sprechgewohnheiten mit einbezogen werden, da sie ebensolche Irritationen verursachen und auf ähnliche Weise negative Reaktionen hervorrufen. Um diese spezifische Form des durch phonetische Interferenzen bedingten Normbruchs genauer untersuchen zu können, muss der Tabudiskurs in den Rahmen der Sprechwirkungsforschung gestellt werden. Zunächst soll gezeigt werden, wie prosodische Fehler entstehen und welchen Stellenwert sie beim Erlernen einer Fremdsprache haben. Daraufhin wird die Sprechwirkung von fremdsprachlichen Sprechgewohnheiten und Akzenten auf ihre kulturbezogene Rezeption hin betrachtet und dargelegt, durch welche phonetischen Elemente Irritationen entstehen, die als Normverletzung, ja in einigen Fällen als Tabubruch gelten können. Als Beispiel dient der italienische Akzent im Deutschen. Auf diese Weise soll gezeigt werden, dass die Bedeutung phonetischer Interferenzen dann unterbewertet wird, wenn man sie lediglich als unvermeidliche Eigenschaft fremdsprachlicher Sprecher betrachtet. Denn es ist möglich, dass sie ein Störfaktor sind, der das interkulturelle Gespräch massiv beeinträchtigt, ja den Abbruch desselben verursachen kann.
Zwischen Ritual und Tabu. Interaktionsschemata interkultureller Kommunikation in Sprache und Literatur
Hess-Lüttich E.W.B. / Khattab A. / Steinmann S.
9783631627310
Peter Lang
GERMANIA
Normbruch durch phonetische Interferenzen. Tabudiskurse vor dem Hintergrund der Sprechwirkungsforschung / Kaunzner, U. A.. - STAMPA. - (2013), pp. 63-76.
Kaunzner, U. A.
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Utilizza questo identificativo per citare o creare un link a questo documento: https://hdl.handle.net/11380/1170458
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